Kaltwachsmalerei oder Malen mit Coldwaxmedium ist in erster Linie eine Ölmalerei. Der Ölfarbe wird ein Wachsgemisch hinzugefügt, das ist dann die Farbe, die wir auf die Bildoberfläche auftragen. Das Öl-Wachsgemisch hat ein endloses Potential für den kreativen Ausdruck. Mich hat diese neue Technik enorm inspiriert und neue Türen geöffnet.

Über den Umgang mit Wachs habe ich in früheren Blogeinträgen schön häufiger geschrieben.
Im Unterschied dazu wird in der Kaltwachstechnik das Wachs nicht erwärmt.

Ein Kaltwachsmittel auf der Basis von Bienenwachs kann man bei der Firma www.kremer-pigmente.com beziehen . Ich habe zu Studienzwecken auch farbloses Möbelwachs für Kreidefarben benutzt und finde es von der Konsistenz her auch sehr brauchbar.

Die pastose Wachsmischung wirkt wie ein Ölmalmittel.
Man kann ein Wachsmedium auch selbst mit Bienenwachs, Standöl, Dammarfirnis und Terpentinöl herstellen, das Rezept ist es in einem nächsten Post.

Das Wachsgemisch ändert die Struktur und die Handhabung der Ölfarbe. Die Farbe bekommt mehr Volumen , außerdem wirkt das Wachswie ein Trocknungsbeschleuniger.

Für den Farbteig nimmt man 50% Ölfarbe und 50% von dem Wachsgemisch.

Malen mit dem Kaltwach-Öl-Gemisch ist eine Nass-in-Nass-Technik. Das Medium erhöht die Leichigkeite und Flexibilität beim Malen und macht die Regel „Fett auf Mager“ überflüssig.

Was brachen wir dazu?

Zunächst taucht die Frage auf, worauf male ich? Auf Papier, eine Leinwand oder auf einer Holz-bzw. MDF-Platte. Egal, was Du nimmst, zuerst muß der Untergrund vorbereitet werden. Er muss eine hervorragende Haftung für die Ölfarbe bieten. Gesso ist ein perfekter Untergrund. Die poröse, raue und matte Oberfläche
entwickelt eine maximale Haftung für das Öl-Wachsgemisch.

Werkzeug :

Glasplatte
Malmesser
Metallspachtel
Linoldruckrolle

Ölfarbe
Kaltwachsmedium

Welche Farbatmosphäre soll dein Bild bestimmen? Dementsprechend wählst du eine Grundfarbe ( = Ölfarbe in rot, gelb oder blau ) aus, ebenso Nimmst du Schwarz und Weiß. Damit stellst du eine Farbskala von Hell bis Dunkel zusammen.

Dazu kommt das Kaltwachsgemisch im Verhältnis 50 :50 als verdickender oder auch mattierender Zusatz für die Ölfarbe .

Für eine gleichmäßige Verteilung des Wachsmittels in der Ölfarbe wird das Gemisch sorgfältig auf der Glasplatte angerieben. Wähle eine nicht zu kleine Glasplatte aus, denn alle weitere Farben werden auf dieser Glasplatte gemischt. Da das Wachsgemisch Lösungsmittel enthält, eignet sich kein Plastik o.ä., es würde sich auflösen!
Eine Glasplatte lädt sich auch am Besten reinigen, wie alle guten Ölmaltechniken ist es auch eine größere Materialschlacht!

Mit einem Palettmesser oder einem Metallspachtel mischst du die Farbe an.

Bevor es losgeht, möchte ich noch etwas zu der Beschaffenheit der Ölfarben schreiben.
Ölfarben werden in Gruppen eingeteilt. Die einen übertragen das Licht, die anderen absorbieren es.

Transparente Ölfarben lassen das Licht frei durchscheinen. Die darunter liegenden Farbschichten bleiben sichtbar wie durch farbiges Glas. D.h. Die Farbschicht ist transparent. Das von mir benutzte Indisch-Gelb ist eine transparente Farbe, Das sind auch z.B. Satftgrün, Ultramarin, Phtaloblau oder Quinacridones ( rot).

Opaque Farben absorbieren das Licht, es sei denn, sie werden sehr dünn aufgetragen. Diese Farben bedecken die Schicht unter sich. Alle Cadmiumfarben und Titanweiß gehören dazu.

Semi-Transparente Farben liegen irgendwo dazwischen. Dazu gehört Zinkweiss und alle Erdtöne.

Auf den Ölfarben-Tuben sind die Eigenschaften der betreffenden Farbe abgedruckt. Eine offene Form, meistens ein offenes Quadrat steht für Transparent, eine gefüllte Form für opaque und eine halb- und halb gefüllte Form für Semi-Transparent.

Wir stellen eine Farbskala her von hell bis dunkel. Als Grundfarbe habe ich hier Indisch – Gelb gewählt, eine transparente Farbe, von der ich eine transparente Farbschichten erwarte. Das Transluzente kommt dem Wachs auch recht nahe. Dazu habe ich Zinkweiß ausgewählt, es hat eine nicht so stark deckende Wirkung wie Titanweiß und läßt das Licht noch durch.

Jetzt geht es ans Mischen:

– Gelb wird mit Weiß abgetönt, es entstehen mehrere, immer heller werdende
Gelbtöne, wenn wir immer mehr Weiß einmischen.
( Von Weiß brauchen wir verhältnismäßig viel.)

– Gelb wird mit Schwarz abgetönt. So wie auch schon mit der Gelben Farbe
mischen wir immer mehr schwarz in das Gelb ein. Vorsicht: nur sehr wenig
schwarz nehmen, denn es setzt sich enorm durch. Es entstehen grüne und
braune Farben. Hier abgebildet sind es mehr bräunliche Töne, da ich Indisch-
Gelb genommen haben, bei einem Echt-oder Zitronengelb wären es mehr Grüntöne
Geworden.

– Weiß wird mit Schwarz gemischt, es entstehen unterschiedliche Grautöne von
Hell bis dunkel. Durch einen zusätzlichen winzigen Klacks Gelb bekommt man
ein schönes, warmes Grau.

– die auf diese Weise unterschiedlichen Gelbtöne, Grautöne und hier Braun-
Beigetöme können beliebig untereinander gemischt werden. Damit können
praktisch unendlich viele Nuancen hergestellt werden.

Es macht sehr viel Spaß zu sehen, welche Farbvielfalt und große Farbharmonie entsteht. Das liegt daran, daß wir nur eine Farbe genommen haben.

Jetzt kann es mit dem Malen los gehen, und wir benutzen zunächst eine Linoldruckrolle. Mit ihr kann man sehr dünne Farbaufträge auf das Bild rollen.

Du belädst die Rolle gleichmäßig mit Farbe, indem du sie auf der Farbfläche auf der Glasplatte Hin- und her rollst.
Es wird in der Nass-in-Nass-Technik gearbeitet. Du kannst am Anfang über die noch nicht trockene Farbe rollen.

Laß dich zunächst nur auf das Material ein, überlege dir noch keine Komposition und schau einfach zu, was entsteht.

Man kann die Farbe mit viel Druck aufrollen, dann wird sie besonders transparent.

Nach weiteren Farbschichten können sie sich so auch vermischen und neue Nuancen entstehen. Soll die Farbe halbtransparent aufgerollt werden, legt man weniger Druck auf die Rolle und kann die Farben auf diese Weise gut übereinander legen, ohne das sie sich vermischen.

Nach einer gewissen Anzahl von Öl-Wachsschichten merkst du, daß die Farbe „matschig“ wird. Es ist Zeit, sich einen Kaffee zu kochen und das Bild trockenen zu lassen. Es wird dann später weiterbearbeitet. Wie lange es trocknet, hängt von mehreren Bedingungen ab, unter anderem vom Wetter.

Wenn es noch nicht trocken ist, kannst du aber Strukturen in das Bild einbringen. Man kann mit einem Spachtel Linien ziehen, mit dem Palettmesser oder dem Spachtel Farbe abtragen und mit der Kante eines Spachtels wieder auftragen.
Du fügst etwas hinzu und nimmst etwas wieder weg, du malst hell auf dunkel, dunkel auf hell. Mit dem Silikonspachtel erhälst du weiche Farbübergänge durch überwischen.

Wenn die Oberfläche getrocknet ist, geht es weiter mit den Farbflächen. Du arbeitest jetzt nicht mehr mit der Rolle, sondern am Besten mit dem Silikonspachtel , mit Spachteln, alten Kreditkarten , Lappen. Man kann mit Öl-Kreiden Zeichen machen, und jetzt kann das Bild vielleicht auch weitere Farben vertragen. Das Ganze ist wie ein Spiel und du arbeitest so lange, bis die Oberfläche eine gewisse Tiefe bekommt, eine Magie.

 

 

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Hier sollten eigentlich 2 Videoclips zu sehen sein, leider habe ich es nicht geschafft, sie einzustellen. Aber du kannst oben auf die beiden Links klicken!



 

Wenn man zuviel gemacht hat, kann das Bild mit dem Spachtel wieder beruhigt werden. Farbe kann drüber gemalt werden oder abgenommen werden. Das Material läßt sich sehr lange bearbeiten, weil es auch lange offen bleibt.

Man kann nichts falsch machen. Du lernst durch Versuch und Irrtum das Material zu beherrschen. Die schönsten Dinge im Bild passieren oft unbeabsichtigt im Experiment.

Nimm dir die Zeit, und erkunde das Material durch diese Basics. Mit der Zeit wird dir die Technik vertraut. Wenn du das Material und seine Ausdrucksmöglichkeiten gut kennst, ist das der Schlüssel für das orientierte Nachdenken über die Gestaltung und damit für das künstlerische Schaffen.

In einem nächsten Blog geht es dann weiter mit weiteren Möglichkeiten mit Cold Wax.

Bis bald!

 

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