Im Moment erhalte ich ziemlich viele Fragen zu der Kaltwachs-Malerei, und ich will versuchen, ein paar davon hier zu beantworten.

Die Frage Nr. 1 ist natürlich „ was kann ich tun, damit die Farbe schneller trocknet“?

Eigentlich trocknet Ölfarbe, die mit Kaltwachs gemischt ist, schneller als Ölfarbe allein. Aber sie trocknet eben auch langsamer als Acrylfarbe.

Manchmal nervt es, wenn man auf das Bild warten muß, bzw. darauf, daß es weitergehen kann.

Der Zeitpunkt, wann man das Bild wie bearbeitet, ist in der Kaltwachs-Malerei nicht ganz unwichtig:

Manchmal darf die Farbe nicht trocknen und man muß schnell arbeiten ( = die Farben werden miteinander verzogen, verblendet oder vermischt).

Manche Flächen müssen angetrocknet sein, um Zeichnungen, Markierungen, Ritzungen oder auch neue Farbflächen hinzuzufügen. Das funktioniert am besten auf einem halbtrockenen Untergrund, auf dem nichts „verschmiert“.

Auf durchgetrockneten Untergründen können weitere Farbschichten problemlos aufgetragen werden und für Reduzierungen und Übermalungen sind sie optimal.

Es kommt also immer darauf an, was man machen möchte und welches Ergebnis man erzielen möchte.

Ich arbeite gern auf einem halbtrockenen Untergrund, da kann ich fast alles machen, wenn ich sensibel mit dem Untergrund umgehe.

 

Was kann man machen, um den Trocknungsprozess zu beschleunigen?

Wir benutzen die Ölfarbe und das Kaltwachs-Medium in einem Mischungsverhältnis von 50:50 , d.h. halb Ölfarbe, halb Kaltwachs-Paste.

– Zuerst überprüfe, ob das bei dir auch tatsächlich der Fall ist, oder ob es nicht vielleicht doch so ist, daß du weniger als 50% Wachs benutzt? Das würde den Trocknungsvorgang entsprechend verzögern. Wenn du den Vorgang beschleunigen möchtest, kannst du auch etwas mehr als 50% Wachsanteil nehmen. Die Farbe sollte aber nicht mehr als 70% Wachs enthalten. Für die Trocknungszeit würde mehr nicht viel bringen, da hierbei auch der Einfluß der Ölfarbe eine Rolle spielt.

– Sicher habt ihr schon etwas von einem Trocknungsbeschleuniger oder einem Trocknungsverzögerer gehört. Diese Malhilfsmittel sind traditionelle Medien für Ölfarben, die ihr wahrscheinlich kennt und auch schon ausprobiert habt. Genauso, wie der Trocknungsbeschleuniger in der Ölfarbe wirkt, beschleunigt er auch in der Kaltwachsmalerei. Es gibt sie von allen bekannten Ölfarbenherstellern. Dünne Malschichten sind damit nach ca. 24 Stunden trocken

– Bei gutem Wetter kann man das Bild nach draußen an die frische Luft bringen. Da ein Ölbild
nur durch Oxidation trocknet und nicht durch Luft oder Wärme, bringt eine Portion extra Sauerstoff Power in den Trocknungsvorgang.

In der kalten Jahreszeit , im kühlen Raum, kann es schon mal länger dauern, bis eine weitere Schicht aufgetragen werden kann. Die chemischen Reaktionen verlangsamen sich in der Kälte und die Verflüchtigung von Lösungsmitteln, die im Wachs enthalten sind, ist geringer.

– Das Bild darf nicht auf einen Ofen oder die Heizung gelegt werden. Auch ein Fön ist unbrauchbar. Der Schmelzpunkt der Farbe liegt bei ca. 65 Grad Celsius.
Vorsichtig würde ich auch damit sein, daß Bild zum Trocknen in die pralle Sonne zu legen ( eigene Erfahrung, es kann schmelzen! )

– Man kann auch ein wenig Marmormehl der Farbe zufügen. Nicht so viel, daß eine Spachtelmasse entsteht, aber ein wenig dem Öl-Kaltwachs-Gemisch zugefügt, beschleunigt den Trocknungsvorgang.

Wie lange muß das Bild eigentlich trocknen?

Natürlich liegt es vor allem daran, wie dick die Farbschichten aufgetragen sind.
Dünne Farbschichten trocknen natürlich schneller, als mit einem Spachtel aufgetragene dickere Lagen. Es liegt auch an dem, was man den Farben beigemengt hat ( siehe oben). Auch verschiedene Ölfarben können unterschiedlich lange trocknen. Normalerweise dauert es Monate, bis ein Bild trocken und sicher ist. Zum Aufhängen des Bildes reicht es meistens aus, wenn es sich an der Oberfläche trocken anfühlt.

Braucht das fertige Bild einen Schutz?

Kaltwachs-Malerei braucht keine Oberflächenbehandlung oder Firnis. Die matte Oberfläche spricht für sich.
Wer es gern etwas glänzender mag, kann das Bild mit einem weichen Lappen polieren. Das sollte man allerdings dann erst tun, wenn man sicher ist, daß die Farbe so trocken ist, daß man sie nicht wieder abnimmt. Kleine Spuren von einem leichten Farbabrieb bleiben immer am Tuch hängen, deshalb falte ich immer eine neue saubere Stelle auf. Mit leichten und kreisenden Bewegungen ohne Druck geht es am besten.

Manche Bilder wirken erst richtig gut, wenn man eine letzte Schicht nur aus transparentem Kaltwachs auflegt. Vor allem Farbflächenbilder gewinnen dadurch. Die untere Schicht sollte vollkommen trocken sein, auch dort, wo mit Öl-Sticks gemalt wurde ( trocknen langsamer…)

Aber eigentlich braucht die Kaltwachsmalerei keinen besonderen Firnis oder Schutz.


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