Unser Thema der Woche: Großformatiges in der amerikanischen Pop-Art – James Rosenquist

/ / Aktivitäten im Atelier, Künstlerbiographien / 9. Mai 2019

James Rosenquist wurde 1933 in Grand Forks, North Dakota, geboren. Die Familie war norwegisch/schwedischer Abstammung. Seine Mutter unterstützte seine künstlerischen Ambitionen. Wie viele andere junge Künstler wollte er die Provinz im Midwest hinter sich lassen und strebte in die quirlige, kreative Kunstszene in New York.

1955 kam er dort mit weniger als $ 300 in der Tasche an, erzählt er in einem Interview. Mit einem Stipendium begann er sein Studium an der Art Students League, eine Vereinigung von Kunststudenten, die gemeinsam frei und ungezwungen lernen und arbeiten wollten, ohne akademische Zwänge. Viele Maler und Künstler, die zu Wegbereitern der modernen Kunst wurden, hatten sich hier eingeschrieben, z.B. auch Cy Twombly, Robert Rauschenberg, Roy Lichtenstein, Louise  Bourgeois usf.

Seinen Lebensunterhalt verdiente Rosenquist mit dem Malen von Werbeplakaten. Er war erst 25 Jahe alt, als er bereits zu einem ausgesprochen erfolgreichen Plakatmaler wurde. Sein Arbeitsplatz war hoch über dem Times Square auf dem Gerüst. Die Motive, die er malte, bekam er von seinem Arbeitgeber auf kleinen Entwürfen zugeschoben. Mit Hilfe eines Rasters brachte er sie auf gigantische Dimensionen.

Durch den geringen Abstand zwischen ihm auf dem Gerüst und der Malerei mußten ihm die Motive verfremdet erscheinen, und er bekam Zugang zu abstrakten Formen.

1960 bezog er ein eigenes Atelier in Manhattan und begann dort, für sich selber zu arbeiten. Als Künstler behält er die gigantischen Formate und die Bildsprache der Plakate bei. Jetzt werden die Bilder wesentlich differenzierter im Ausdruck und Inhalt.

Waren die Plakate, wie er sagte „empty images with no meaning“, so spiegelt sich in seinen Gemälden jetzt zeitgenössische amerikanische Kultur wieder, the american Way of Life.

Er konzentriert sich jetzt mehr auf existenzielle und politische Themen.

„President elect“, James Rosenquist

Als „Präsident elect“ malt Rosenquist 1961 John F. Kennedy. Das Bild wirkt eher wie ein zusammengesetztes Plakat, nicht wie ein Porträt. Das strahlende Politikergesicht, zwei Hände, die ein Kuchenstück zerteilen und der Kotflügel eines Autos , das sind die Attribute mit der Rosenquist die Bildsprache der Politik perfekt entschlüsselt. Das Thema heißt „Wohlstand für Jeden“. Die Vorlage für das Porträt hat der Künstler von einem Wahlplakat genommen. Kennedy hatte darauf schon ausgesehen wie eine Anzeige, sagte Rosenquist.

Die Inspirationen für seine surrealen Bilder holt sich Rosenquist aus Illustrierten wie das Life-Magazin, Zeitungen, Fotografien und Printwerbung. Mit den dort gefundenen Bildern erzählt er seine Geschichten. Es gibt ein Foto, da ist der Boden seines Ateliers übersät mit solchen Ausschnitten, abgebildet sind Konsumgüter der derzeitigen amerikanischen Gesellschaft: Autos, Autoreifen, Spaghetti, Kelch-up, Coca-Cola, Cremetörtchern, Lippenstifte… usw.

Fragmentarisch, übergroß, aus dem Zusammenhang gerissen und verfremdet befeuert er uns mit Alltasgsgegenständen in knalligen Farben, die er kombiniert und in großformatigen Bildern collagiert.

 

„Ich wollten den Betrachter mit unwahrscheinlichen Gegenüberstellungen bombardieren“, sagt Rosenquist.

 

 

 

In den 60-iger Jahren waren die Bilder ein Schock für das Publikum.

Dennoch sprach sein Erfolg eine andere Sprache und zusammen mit Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Claes Oldenburg gehört er zu den Pionieren der Pop-Art .

Er selbst sah sich jedoch nicht als Künstler der Pop-Art, dazu war sein Werk zu kritisch und zu politisch.

 

 

The swimmer in the econo-mist #1, James Rosenquist

 

Das Bild von 1997/98 mißt 3.50 x 27,5 m und ist wie ein Strudel, der sich mit Politik, Wirtschaft, Krieg und Kommerz im Deutschland der 90-iger Jahre nach dem Mauerfall auseinandersetzt.

Dieses riesige Gemälde kombinierte Fragmenten aus Picassos Guernica, Elementen aus der eigenen Biographie des Künstlers sowie kollektiver Geschichte und Identität zu einer desorientierenden Gemenge, das schnelle Veränderungen nicht nur in der deutschen Identität darstell

 

The swimmer in the econo-mist #2

 

 

The swimmer in the econo-mist #3

 

 

James Rosenquist schafft Räume

 

Das Bild „F – 111“ von 1964/65 füllt mit einer länge von 26 Metern die 4 Wände eines Raumes aus. Unterbrochen wird das Panoramabild nur durch den Eingang.

 

 

„F – 111“ , James Rosenquist

 

F – 111 ist ein Jagdbomber der US – Luftwaffe, der für den nuklearen Kampf eingesetzt wurde. Der Bomber ist in Originalgröße gemalt. Daneben sitzt ein lachendes Mädchen unter einer Haartrockenhaube. Die Haube wurde von der Fa. Dow Chemical hergestellt, das ist dieselbe Firma, die auch chemische Kampfmittel produziert. Auch in diesem Bild taucht ein Firestone Autoreifen auf. Die Fa. Firestone stellt ebenfalls Granaten und Soldatenhelme her.

James Rosenquist war als Kriegsgegner politisch aktiv und demonstrierte gegen den Vietnam-Krieg, der in den 50-er und 60-er Jahren ganz Amerika politisierte. Mit seiner Bildersprache setzte er die Kritik auch malerisch fort.

 

Museum Ludwig, ML, JamesRosenquist, Horse Blinders, ML 01121, Installationsansichten

 

 

Beide oberen Bilder zeigen die Rauminstallation „Horse Blinders“ aus dem Jahr 1968/69. Das großformatige Ölgemälde zeigt Rosenquists Perfektionismus und die Beherrschung des Handwerks. Seine Bilder zeichnen sich  mit einer hohen malerischen Qualität aus.

Man sieht im Bild ein gekapptes Telefonkabel und Anschnitte diverser Konsumprodukte. Das Bild beschreibt eine Auseinandersetzung mit staatlicher Überwachung (Abhöraffäre in der McCathy-Ära) Mit diesem Thema ist Rosenquist überraschend modern.

 

In einer dritten Rauminstallation von 1970 löst Rosenquist alles auf in abstrakter Malerei:

 

In „Horizon Home Sweet Home“ verzichtet er auf sämtliche Bildmotive. Bunte Farbfelder und Polyesterfolie, vom weiß schimmernden Plexiglas-Boden aufsteigender Nebel suggerieren dem Betrachter eine Orientierungslosigkeit im scheinbar grenzenlosen  Raum. Das Werk spiegelt Rosenquists Interesse für das Weltall mit seinen unendlichen Weiten und Geheimnissen wieder.

Rosenquist hat für jedes seiner Bilder eine Vorarbeit erstellt, eine sog. Source-Collage. Nach diesen „Skizzen“ übertrug er dann sein Motiv mit einem Raster ins gigantische. Die Source-Collagen sind wie ein Dokument für seine Arbeiten.

 

 

 

„Star Thief“, James Rosenquist 1980, 205 x 552 cm

 

 

„Masquerade of the Military Industrial Complex looking down on the Insect world“, James Rosenquist 1980, 205 x 552 cm

 

 

 

 

„Through the Eye of a needle to the Anvil“, James Rosenquist 1988, 520,7 x 1402,1 cm

„Er wollte Fragen stellen und keine Antworten geben. Er wollte überraschen. Er wollte ein Geheimnis schaffen. Man sollte nicht auf seine Bilder zugehen und gleich wissen, was es ist.“

Zitat aus dem Interview mit der Witwe des Künstlers während der Ausstellung “ Eintauchen ins Bild“ im Museum Ludwig, Köln , 2018

Das Werk James Rosenquists ist einfallsreich, voller Energie und Perfektion.

Bis ins hohe Alter hat er gemalt. Viele Ehrungen wurden ihm zuteil, seine Bilder hängen in allen großen Museen auf der Welt.

Er starb am 31. März 2017 in New York.

Ich freue mich über Kommentare und bin unter kunst@astridkeimer.de zu erreichen!

Quellen: http://www.jamesrosenquiststudio.com

http://www.kultur-port.de/index.php/blog/bildende-kunst/14838-james-rosenquist-pop-art-ikone.html

https://www.dw.com/de/pionier-der-pop-art-james-rosenquist-retrospektive-in-köln/a-41407887

https://artinwords.de/james-rosenquist-eintauchen-ins-bild-im-museum-ludwig-koeln/